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FU MAN CHU - SCHLITZAUGE SEI WACHSAM...

Text: Bernd Gastner
Layout: Sven Krischan


Chris Lee als Fu Man ChuDer britische Autor Arthur Sarsfield Ward, besser bekannt unter seinem Pseudonym Sax Rohmer, erfand eine Romanfigur, die in insgesamt 13 Büchern auftaucht: Dr. Fu Man Chu, seines Zeichens orientalischer Superverbrecher. Dessen Versuche, die Weltherrschaft zu übernehmen, werden in schöner Regelmäßigkeit von Nayland Smith in Ausübung seines Inspectorenberufs bei Scotland Yard zunichte gemacht.
Diese phantastischen Geschichten, erstmals 1911 erschienen, boten sich geradezu für eine filmische Umsetzung an. Autor Rohmer (1886-1959) packte alles in seine Werke, was einen deftigen Abenteuerstoff ausmacht: Exotische Schauplätze, geheimnisvolle Pläne, aufrechte Helden, spannende Stories und nicht zuletzt schöne Frauen, die es zu retten galt - all das versprach tolle Filme. Leider gerieten die meisten dieser Streifen zum totalen Fiasko, was sie wiederum für Fans des gepflegten Trashkinos interessant macht.

Begonnen hat die filmische Karriere des chinesischen Möchtegern - Welteroberers mit zwei englischen Serials. In THE MYSTERY OF DR. FU MAN CHU (1923, 15 Teile) und THE FURTHER MYSTERYS OF DR. FU MAN CHU (1924, 8 Teile) übernahm jeweils Harry A. Lyons die Titelrolle.
Richtig populär wurde der böse Doktor aber erst ab 1929 in den USA, als Warner Oland (später auch als Charlie Chan zu sehen) in drei Filmen als Fu Man Chu auftrat. Die Streifen THE MYSTERIOUS DR. FU MAN CHU (1929), THE RETURN OF DR. FU MAN CHU (1939, beide von Rowland V. Lee) sowie DAUGHTER OF THE DRAGON (1931, von Lloyd Corrigan) sind durchschnittlich - unterhaltsame Krimis, die all das bieten, was man in dieser Zeit erwarten durfte.

Die mit Abstand beste Verfilmung stellt The Mask of Fu Man ChuTHE MASK OF FU MAN CHU (1932, von Charles Brabin und Charles Vidor) dar, was vor allem an seinem Hauptdarsteller Boris "Frankenstein" Karloff liegt. Die Storyline dreht sich um das Grab Dschingis Khans, in dem das Schwert und die Maske des sagenumwobenen Kriegsherrn liegen sollen. Sowohl der böse Doktor wie auch eine Forschergruppe mit Nayland SmithThe Mask - Szene (Lewis Stone) suchen nun diese letzte Ruhestätte. Schlußendlich fällt Fu Man Chu seinen eigenen Todesstrahlen zum Opfer und die geheimnisvollen Reliquien werden in einem See versenkt.
Das famose Spiel Karloffs, die wunderschöne Kameraarbeit von Tony Gaudio, eine immer spannende Handlung sowie die überaus hinterhältigen Foltermethoden machen aus THE MASK.. einen 72 min. langen Spaß, der das Ansehen auch heute noch lohnt.

Von nun an gings bergab. Das Billigserial DRUMS OF FU MAN CHU (1941), gedreht von den Cliffhanger-Profis William Whitney und John English (z.B. DICK TRACY 1939 oder CAPTAIN MARVEL 1941) präsentiert uns Henry Brandon in der Titelrolle. Der Rest bleibt Routineeintopf.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Wie immer, wenn sich der britische Produzent und Drehbuchschreiber Harry Alan Towers einbringt, gerät alles leicht ins Trivial - Schmierige. Unter seinem Pseudonym Peter Welbeck schrieb Towers ein Drehbuch, holte sich den Hammererprobten Regisseur Don Sharp (KISS OF THE VAMPIRE 1962), engagierte mit Christopher Lee einen bekannten Hauptdarsteller, nahm Wallace - erfahrene Schauspieler wie Joachim Fuchsberger und Karin Dor unter Vertrag - und los rings. Allerdings nach hinten, denn THE FACE OF DR. FU MAN CHU (Ich, Dr. Fu Man Chu 1965) entpuppt sich bei näherem Hinsehen als stinklangweiliges Abenteuerfilmchen in primitiven Kulissen.
Zugegeben, Chris Lee gibt sich alle erdenkliche Mühe, den Superbösewicht bei der Erforschung eines Massenvernichtungsmittels richtig böse erscheinen zu lassen, jedoch macht die übrige Besetzung diese Bemühungen konsequent zunichte. Fuchsberger spielt gemeinsam mit Nigel Green (als Nayland Smith) das Heldenduo, dem man nie und nimmer abnimmt, für Fu Man Chu auch nur den Hauch einer Gefahr darzustellen. Karin Dor rollt mit ihren Kulleraugen wie zu besten Edgar Wallace - Zeiten, was aber dem Fortgang der trägen Handlung nicht wirklich nützt.

Schon im Jahr darauf schlug das Duo Towers/Sharp erneut zu, den Klagen der Kinobesucher zum Trotz. Bei THE BRIDES OF FU MAN CHU (Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu, 1966) übernimmt der ebenfalls Wallace - gestählte Heinz Drache den Heroenteil, Chris Lee wiederholt seine Bemühungen, desweiteren sind Harald "Ölprinz" Leipnitz, Marie "Nsch-Tschi" Versini sowie Douglas Wilmer als Nayland Smith zu sehen. Die Story um die "Entführung von 13 Wissenschaftlertöchtern, um deren Väter zur Mitarbeit zu zwingen, entbehrt nicht einer gewissen Komik, allerdings eher unfreiwillig. Heinz Drache schläfert den Zuschauer ein, die Versini ist einfach nur hübsch anzusehen, den Rest kann man ebenso getrost vergessen. Ein echtes Highlight für Fans des gehobenen Schwachsinns.

Jeremy Summers übernahm die Regie bei VENGEANCE OF FU MAN CHU (Die Rache des Dr. Fu Man Chu, 1967), die Drehbuchschreiberei lag wie schon vorher bei Harry Alan Towers. Chris Lee zum Dritten, diesmal will er alle Polizeichefs der Welt ausschalten und begeht schon den ersten Fehler, als er den Oberfuzzi von Scotland Yard entführt. Das kann Nayland Smith (Douglas Wilmer) natürlich nicht durchgehen lassen und bis am Ende wiedermal Fu´s Palast in die Luft geht, vergehen 84 quälende Minuten. Da können auch die deutschen Leihgaben Wolfgang Kieling und Horst Frank die Kastanien nicht mehr aus dem Feuer (oder so ähnlich) holen.

Frage: Geht's noch schlimmer? Antwort: Ja, wenn nämlich ein Spanier das Regiezepter übernimmt, der weltweit bekannt ist für seine filmischen Ergüsse. Sein Name: Jesus Franco Manera, besser bekannt als Jess Franco, seines Zeichens Trashkönig erster Güte. Seine Filmographie umfasst SF-, Horror-, Frauengefängnis-, Zombie- und Pornostreifen, die sich alle durch billigste Umsetzung, schmierige Erotikszenen sowie schmerzgrenzenüberschreitende Stories auszeichnen.
Wie groß müssen die Löcher im Geldbeutel der Beteiligten Christopher Lee, Götz George (als Agent Jansen) und Richard Greene (als N. Smith) gewesen sein, um sich bei Francos Der Todeskuss - SzeneTHE BLOOD OF FU MAN CHU (Fu Man Chu y el beso de la muerte/Der Todeskuß des Dr. Fu Man Chu, 1967) zu treffen? Und wie hoch muß der Alkoholpegel bei Harry Towers gewesen sein, der sich das Drehbuch um die tödlichen Frauenküsse ausdachte, mit deren Hilfe Fu seine Widersacher umbringen will ? Egal, der Film kann nur durch seine exotischen Schauplätze (u.a. Brasilien) bestechen, der ganze Rest bleibt Francotypischer Schrott voller Anschlußfehler und Schauspielerleistungen weit jenseits der Dämlichkeitsgrenze.

Chris Lee zum Fünften: Mit Die FolterkammerTHE CASTLE OF FU MAN CHU (El castillo de Fu Man Chu / Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu, 1968) erreicht er mühelos den Bodensatz der Filmreihe. Ein noch niedrigeres Budget als beim Vorgänger machte sogar den Einsatz von geklauten s/w - Sequenzen (aus Roy Ward Bakers A NIGHT TO REMEMBER, 1958) notwendig, um die Storyline (der gute Harry Towers) des Plans, die Welt in Eis erstarren zu lassen, umzusetzen. Günther Stoll und Richard Greene (als Nayland Smith) sollen dies verhindern, finden Fu in Istanbul und wiedermal geht dessen Hauptquartier schlußendlich in die Luft (zahlt das eigentlich die Hausratversicherung?). Mies und vollkommen unlogisch lautet das Fazit, ein echter Franco eben. Was Chris Lee bewogen hat, noch mehrmals in Streifen des Spaniers aufzutreten (z.B. Nachts wenn Dracula erwacht 1969) bleibt sein Geheimnis.

Zum Schluß noch eine empfehlenswerte Parodie: Peter Sellers in einer Doppelrolle als Nayland Smith / Fu Man Chu in THE FIENDISH PLOT OF FU MAN CHU (Das boshafte Spiel des Dr. Fu Man Chu, 1980 von Piers Haggard). Allemal sehenswert.

Literatur:
Hahn/Jansen: Lexikon des S/F - Films, Heyne Verlag
H. J. Neumann: Das Böse im Kino, Ullstein Verlag
Lucas Balbo u.a.: Obsession - The Films of Jess Franko, Trebbin Verlag
Filmprogramm zu MASK OF FU MAN CHU, Verlag U. Wiedleroither
sowie das unverzichtbare FILMGOER'S COMPANION

Bildquelle: Internet


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